Kunterbunte Bändchen und tausende Wünsche.

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Horcón – ein süßes kleines Örtchen etwa 50 km nördlich von Valparaíso, welches in den 60ern als die Hippiehochburg schlechthin galt. Verlassene bunte Fischerboote liegen unterhalb der Strandpromenade, es gibt ein paar Restaurants und Supermärkte und eine Open-Air Spielhalle, die einer Geisterstadt ähnelt. Ich sehe wenige Menschen auf der Straße, kaum Touristen, nur Einheimische. Denn wirklich viel scheint es hier nicht zu geben. Außer eine Brücke – mit tausenden kunterbunten Bändern und mindestens genauso vielen Wünschen.

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Chilenisch Kochen für Anfänger.

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Alles begann bei einem Spaziergang mit meinen Mitbewohnern an meinem ersten Sonntag hier in Valparaíso. Während wir gemütlich durch die bunten Straßen unserer Nachbarschaft schlenderten, kamen wir an einer wunderschön bemalten roten Tür vorbei. Man muss dazu sagen, dass man hier an jeder Ecke farbenfrohe Gemälde an Hausfassaden und Garagentoren findet, aber irgendwie hatte es uns diese Tür angetan. Wir standen gefühlt eine Ewigkeit davor, machten Fotos und bewunderten sie. Bis wir ein kleines Schild entdeckten: Chilean Cuisine. Cooking Class Valparaíso. Aha, eine Kochschule.

Seitdem hing der Flyer also in meinem Zimmer und erinnerte mich daran, dass ein Kochkurs eine wunderbare Möglichkeit ist, die Kultur eines Landes noch besser kennen zu lernen. Ich wollte diesen also unbedingt machen. Nachdem sich meine Zeit hier in Valparaíso langsam aber sicher dem Ende neigt, musste ich also Nägel mit Köpfen machen und buchte letzten Sonntag ganz spontan den Kurs für den darauffolgenden Tag.

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Halbzeit.

Heute sind es genau 40 Tage. Seit 40 Tagen bin ich nun in Chile. Und in genau so vielen Tagen geht mein Flieger zurück nach Deutschland. Verrückt wie schnell die Zeit vergeht und wie viel ich in den letzten Wochen erlebt habe.

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Der Weg zur Lagune des Cerro Castillo.

Ich bin unglaublich müde und mir tut einfach alles weh, was weh tun kann. Ich möchte keinen Schritt mehr laufen und werde morgen den Muskelkater meines Lebens haben. Aber ich hab sie geschafft, die Tageswanderung zur Lagune des Bergs Cerro Castillo. Sieben steile Kilometer rauf und sieben wieder runter. Schwierigkeitsgrad mittel bis schwer. 1061 Höhenmeter. In sechseinhalb Stunden. Geiler Scheiß, ich kann es selbst kaum glauben.

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Irgendwie sind diese zehn Tage in Patagonien sportlicher als gedacht. Und ich nehme Herausforderungen an, die mich selbst staunen lassen. Aber so ist so eine Soloreise ans andere Ende der Welt irgendwie. Man wächst mit jedem Tag, jedenfalls innerlich.

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Zu Fuß auf der Carretera Austral.

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Ich bin gerade zu Fuß unterwegs. Mit Sack und Pack auf der berühmten Carretera Austral, der 1350 km langen Fernstraße, die den Süden Chiles durchquert. Nachdem ich heute morgen die Fähre über den Lago General Carrera genommen habe, um mich langsam aber sicher wieder Richtung Coyhaique, dem Startpunkt meiner 10-tägigen Reise, zu machen.  Auf diesem Weg gibt es aber noch einen spontanen Stopp: den Berg Cerro Castillo.

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Capillas de Mármol. Ein Traum wird wahr.

Vielleicht fragt sich der ein oder andere von euch, warum es mich ausgerechnet in diese Ecke Patagoniens verschlagen hat. Wohlwissend, dass es nicht einfach ist, hier von A nach B zu kommen. Mal abgesehen davon, dass ich immer wieder merke, dass es mich eher in die unberührte Natur als in überlaufene Großstädte zieht, gibt es hier in Puerto Río Tranquilo etwas, was ziemlich weit oben auf meiner Was-ich-mir-unbedingt-anschauen-muss-Liste stand: die Capillas de Mármol.

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Irgendwo im Nirgendwo.

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Ich würde es gerne anders ausdrücken, netter und weniger vulgär, aber ich finde keinen Ausdruck, der den Nagel besser auf den Kopf trifft. Während in Chile die Sommerferien enden und die Ludoteca für zwei Wochen geschlossen ist, um die Pläne für die nächsten Monate zu schreiben, mache ich Urlaub im schönen Patagonien. Am Arsch der Welt.

Das Fleckchen Erde, welches ich mir für meinen 10-tägigen Ausflug ausgesucht habe, zählt nicht zu den bekanntesten. Weder unter den Reisenden, noch unter den Chilenen. Die Region Aysén liegt im Süden Chiles, umfasst 108.494 km² und besteht aus zehn Gemeinden – ein Großteil davon mit Einwohnerzahlen im unteren vierstelligen Bereich. In diesem Teil des Landes findet man zahlreiche Inseln, Gletscher, Nationalparks und den größten See Chiles – den Lago General Carrera, der über die argentinische Grenze hinaus geht und dort lustigerweise einen anderen Namen trägt. Die kleinen Ortschaften werden über die durchaus bekannte Carretera Austral, eine weitestgehend unbefestigte Fernstraße, miteinander verbunden.

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Die Kinder des Cerro Merced.

Valparaíso besteht aus 45 Hügeln, auch Cerros genannt. Je weiter man die steilen Straßen hinaufklettert, umso größer wird die Armut. Man bewegt sich weg von den bunten Straßen und den vielen Touristen. Hinauf in Gegenden, in denen es keine ausgebauten Straßen und kein fließend Wasser gibt und die Kriminalität schon im Kindesalter beginnt. Irgendwo zwischen den Touristenhotspots und den ärmsten Ecken der Stadt befindet sich der Cerro Merced und mit ihm die Ludoteca, die Kindern aus der Nachbarschaft einen geschützten Raum zum Spielen und Welt entdecken bietet. Ein Projekt, das ich nun seit zwei Wochen begleite.

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