Abaya und nackte Füße.

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Sheikh Zayed Moschee in Abu Dhabi.

Auf einem Hügel mitten in Abu Dhabi, der Hauptstadt der Vereinigten Arabischen Emirate, steht die wohl schönste Moschee, die ich je gesehen habe. Sie steht erhöht, damit sie von allen Seiten betrachtet werden kann. Diese Ehre hat sie völlig verdient. Ein riesiger Palast aus weißem Marmor und Blattgold, mit 82 Kuppeln die von über 1.000 Säulen getragen werden und floralen Ornamenten an Wänden und Böden. Ein Gebetshaus, welches Platz für bis zu 40.000 Gläubige bietet und umgeben von hübsch angelegten Gärten, Wasserbecken und Springbrunnen ist.

Die Sheikh Zayed Moschee ist eine der wenigen Moscheen der VAE, die für Nicht-Muslime zugänglich ist. Außerhalb der Gebetszeiten kann man sich hier als Besucher umschauen und sogar Fotos machen. Es ist kein Wunder, dass dieses hübsche Bauwerk zu den meistbesuchten Attraktionen der Stadt zählt.

Wie wichtig das Beten für die islamische Kultur ist, wird einem beim Besuch der VAE schnell klar. Das Stadtbild ist geprägt von beleuchteten Minaretten und Lautsprechern, aus denen mehrmals am Tag der Gesang des Muezzins tönt. In öffentlichen Gebäuden wie Einkaufszentren oder Bahnhofshallen findet man Gebetsräume, vor deren Türen zu Gebetszeiten hunderte von Schuhen stehen. In den Malls werden digitale Werbetafeln ausgeschaltet. Arbeitende Muslime suchen sich ruhige Plätze in Hintereingängen oder separaten Räumen.

Für die meisten Muslime spielt auch die Kleidung eine große Rolle. Frauen bedecken ihren kompletten Körper bis auf Gesicht, Hände und Füße. Sie tragen eine Abaya, ein schwarzes, wallendes Übergewand und einen Schleier, der Shayla genannt wird. Sie tun das, weil sie es wollen. Nicht weil sie gezwungen werden. Während der letzten Woche ist mir immer wieder aufgefallen, wie freundlich die Menschen hier sind. Und wie viel für die Frauen in den VAE getan wird. Es gibt Frauenabteile in den Metros, eine einfache pinke Linie, die den Wagon in der Mitte teilt. Männer, die keinen Fuß über diese Linie setzen. Es gibt Frauentaxis. Männer, die sofort aufspringen, wenn du als Frau den normalen Metrowagon oder Bus betrittst und dir ihren Sitzplatz überlassen. Die ihre Hilfe anbieten, wenn du irgendwo stehst und den Anschein eines fragenden Gesichts machst. Nicht aufdringlich, sondern zuvorkommend.

Sheikh Zayed Moschee Abu Dhabi Kuppel

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Aus Respekt vor dem Islam und den Gläubigen, die tagtäglich in der Sheikh Zayed Moschee zum Gebet zusammenkommen, werden auch Besucher dazu aufgefordert, sich angemessen zu kleiden. Dazu gibt es vor dem Betreten der Moschee strenge Sicherheitskontrollen, bei denen sowohl Taschen als auch Kleidung kontrolliert werden. Da ich, trotz langer Hose und bedeckten Ärmeln, natürlich kein Kopftuch zum Bedecken meiner Haare dabei hatte, wurde ich in eine Umkleidekabine verwiesen, in der hunderte von Abayas zum Ausleihen hingen. Eine nette Dame reichte mir direkt ein Übergewand in meiner Größe.

Ja. Es war schon ein seltsames Gefühl sich zu verhüllen. In das Gewand reinzuschlüpfen und sicherzugehen, dass nichts außer meinem Gesicht zu sehen ist. Kein Hals, keine Haare. Für uns Nicht-Muslime ist die Kleidung ein Bestandteil unserer Identität. Und damit meine ich nicht, dass Markenkleidung zeigt, wie viel Geld jemand hat. Wenn ich morgens vor meinem Kleiderschrank stehe und überlege, was ich anziehe, dann entscheidet oft mein Gefühl. Ich würde behaupten, dass man an meiner Kleidung erkennt, wie es mir gerade geht. Ob ich Lust auf etwas Schickeres habe, oder lieber in Chucks, einer weiten Hose und lässigem Oberteil aus dem Haus gehe. Und dann stehe ich da, mit einem beigefarbenen Ganzkörperschleier und schaue mich im Spiegel an. Die Dame aus der Umkleide nickt mir zu.

Sheikh Zayed Moschee Abu Dhabi Kleidung
Dresscode für Besucher.

Bevor wir die Moschee betreten durften, mussten wir schließlich unsere Schuhe ausziehen. Auf nackten Füßen schlenderte ich die beeindruckenden Gänge und Hallen entlang. Es gab so viel zu entdecken, so viel zu fotografieren. Dieser Innenhof aus weißem Marmor, mit den riesigen Malereien auf dem Boden. Die Sonnenstrahlen, die sich darin spiegeln. Die Gebetshalle mit den überdimensionalen Kronleuchtern und einem wunderschönen, von Hand geknüpftem Teppich. Der größte der Welt übrigens. Ich hätte Stunden hier verbringen und die Menschen beobachten können.

Diesen Ort muss man unbedingt gesehen haben. Wenn ich noch einmal nach Abu Dhabi kommen sollte, ich werde ihn wieder besuchen.

Sheikh Zayed Moschee Abu Dhabi

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