Auf dem größten Gletscher Europas.

Bei jeder Reise gibt es Tage, Momente und Ereignisse auf die man besonders gern zurück blickt. Und obwohl Island das Potenzial hat, aus wirklich jedem Tag ein Lieblingstag zu machen, zählt der heutige Montag zu den spannendsten dieser Reise.

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Wir sind gerade im Südosten Islands unterwegs und hatten die letzten beide Tage aufgrund von Starkregen und Sturmwarnung das Pech, nicht viel unternehmen zu können. Dabei wollten wir hier einiges sehen. Ein Punkt auf unserer To-Do-Liste war der Nationalpark Skaftafell mit seinem berühmten Wasserfall Svartifoss und den zahlreichen Wanderwegen. Von hier aus wollte ich außerdem eine Gletscher-Tour machen, wir hatten allerdings zuhause schon beschlossen, diese spontan vor Ort zu buchen. Laut Wettervorhersage sollte also heute der einzige Tag ohne Regen sein. Klar, dass die geführten Touren an diesem Tag besonders begehrt waren, wir hatten also nur noch die Wahl zwischen keiner Tour und einer Kombitour: Gletscherwanderung mit Eisklettern.

Im Vorfeld haben wir über diese Tour viel gehört. Freunde, die bereits in Island Eisklettern waren, und auch andere Touristen, die wir auf unserer Reise getroffen haben, haben uns von dieser Tour abgeraten. Denn bei 4 Stunden auf dem Gletscher ist es meistens nicht möglich, dass man mehr als einmal klettert. Da wir für diesen Tag allerdings keine reine Eiskletter-Tour buchen konnten, entschieden wir uns letztendlich für die Kombination.

Bevor es losging wurden wir von Ágúst und seinen Kollegen der Icelandic Mountain Guides – dem Veranstalter dieser Tour – mit Kletterschuhen und -gurten, Steigeisen, sowie Helmen und Eispickeln ausgestattet. Vollgepackt fuhren wir mit dem Bus an einen Auslassgletscher des Vatnajökull – dem größten Gletscher Europas. Am Svínafellsjökull angekommen, ging es nach einer kurzen Einweisung aufs Eis. Es ist ein aufregendes Gefühl auf einer 80 Meter dicken Eisschicht zu laufen. Durch den Regen der letzten Tage war die Oberfläche teilweise glasklar, in den Gletscherspalten hingegen schimmerte der Gletscher in den schönsten Blautönen. Wir wanderten zu unserem ersten Kletterpunkt, eine Gletscherkante mit moderater Steigung.

In unserem Team waren neben meinem Freund und mir und dem Guide Ágúst, zwei Asiaten und ein klettererfahrenes Pärchen aus den USA. Ágúst startete mit den Vorbereitung und sicherte uns mit Eisschrauben im Gletscher. Jede der 20cm langen Schrauben hält 1 Tonne. Wahnsinn. Im Handumdrehen war alles bereit und wir konnten mit dem Klettern beginnen. Der Moment über die Gletscherkante zu steigen ist emotional gesehen der schwierigste. Man läuft rückwärts dem Abgrund entgegen und begibt sich komplett in die vertrauensvollen Hände des Guides. Im Klettergurt hängend lief ich also den Gletscher entlang, völlig überrascht, wie schnell und ruckartig ich abgeseilt wurde. Meter für Meter ging es in die Tiefe, bis ich an dem Punkt angekommen war, an dem es losgehen sollte. Die ersten Versuche, mich mit Steigeisen und Eispickel im Gletscher fest zu krallen waren etwas holprig, die Eisschicht, die aus unzähligen Lagen komprimiertem Schnee besteht, war unerwartet hart. Nach den ersten Metern hatte ich den Dreh aus und es machte jede Menge Spaß den restlichen Weg nach oben zu klettern.

Nach der ersten Kletterrunde, die offensichtlich erfolgreich verlief, durften wir entscheiden, ob wir nun weiter über den Gletscher wandern oder eine zweite, etwas anspruchsvollere Kletterstelle suchen wollten. Die Gruppe entschied sich einstimmig für die zweite Option. Nach einer kurzen Wanderung standen wir also vor der Herausforderung: einer steilen Gletscherspalte mit wunderschönem Blick in das Innere des Svínafellsjökull. Die ersten 5m waren vergleichbar mit der ersten Steigung und sollten somit kein größeres Problem darstellen. Und dann ging es schlagartig steil abwärts. Ágúst, unser Guide, freute sich und warnte uns gleichzeitig davor, den Schwierigkeitsgrad zu unterschätzen. Da er selbst bei den Touren nur sichert und nicht klettert, konnte er uns nur Tipps zur Technik geben. Wie die Gegebenheiten in der Gletscherspalte sind, konnte er nur erahnen. Da unten waren wir also mehr oder weniger auf uns allein gestellt. Obwohl ich mich freute, hatte ich großen Respekt vor der steilen Wand. Ich beschloss nur ein kleines Stück unterhalb der steilen Kante zu starten, was sich relativ schnell als gute Entscheidung rausstellte. Durch die regenreichen letzten Tage war der Gletscher spiegelglatt und ich hatte große Schwierigkeiten Halt zu finden. Ich rutschte immer wieder ab, fiel wieder zurück in mein Klettergurt und somit in die Tiefe der Gletscherspalte. Letztendlich habe ich es geschafft und kam erschöpft aber stolz oben an.

Veranstalter: Icelandic Mountain Guides
Tour: Gletscher-Wanderung und Eisklettern
Ort: Skaftafell Nationalpark
Dauer:
4 Stunden
Preis: 19.900 ISK (ca. 160 Euro)

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