Bunt, tänzelnd und wahnsinnig schön.

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Himmel über Kollafjörður. Fotoquelle: Special Tours Iceland

Polarlichter. Ein Phänomen, das ich bis heute nicht begreife. Nicht, dass ich nur nicht verstehen würde, wie sie zustande kommen. Oder warum. Nein, das ist es nicht. Es ist eher dieses Gefühl in den dunklen Nachthimmel zu schauen, und zwischen vielen strahlenden Sternen plötzlich wild tänzelnde Farbstreifen zu entdecken. Auch jetzt, wo ich dieses Spektakel selbst miterleben durfte, bleibt es für mich weiterhin einfach unbegreiflich.

Wir waren am letzten Ziel unserer Island-Reise angekommen, in der Hauptstadt Reykjavík. Von hier aus ging es letzten Sonntag wieder zurück nach Deutschland. Während wir in den beiden Wochen tagtäglich die schönsten Fleckchen Islands kennen gelernt haben, blieb einer meiner größten Wünsche bis hierhin unerfüllt: die Polarlichter zu sehen.

Polarlichter – wissenschaftlich Aurora borealis genannt – entstehen, wenn elektrisch geladene Sonnenwindteilchen auf die Erdatmosphäre treffen. Sie sind ganzjährig aktiv, allerdings sieht man sie in den dunklen Monaten (in Island von September bis April) und bei klarem Himmel am Besten. Während unserer Reise habe ich beinahe täglich die Aurora-Vorhersage für Island überprüft. Immer und immer wieder. Manchmal sogar mehrfach am Tag und über verschiedene Kanäle. Es gibt hierfür Internetseiten und unzählige Handy-Apps, die einem helfen, die Wahrscheinlichkeit für die kommende Nächte einzuschätzen. Und die einen immer wieder hoffen lassen.

Wie überprüft man die Vorhersage für Polarlichter?

App: Polarlicht-Vorhersage

Die App benachrichtigt per Push-Nachricht bei hoher Wahrscheinlichkeit am aktuellen Standort. Sie liefert außerdem alle wichtigen Informationen zur Vorhersage von Polarlichtern.

Internetseite: Isländischer Wetterdienst

Auf dieser Seite erhält man einen guten Überblick über Wolkenverteilung und Aurora Aktivität im ganzen Land für die nächsten 3 Tage. Die weißen Flächen zeigen wolkenfreien Himmel, grüne Bereiche sind bedeckt. Rechts oben im Kasten kann man die Intensität ablesen.

Reykjavík ist mit knapp 122.000 Einwohnern bei Weitem die größte Stadt Islands und bietet mit seinen hell erleuchteten Straßen keine optimalen Bedingungen für eine Aurora borealis-Beobachtung. Ehrlich gesagt hatte ich mich gedanklich schon langsam damit abgefunden, ohne dieses Erlebnis nach Hause zu fliegen, hatten wir während unserer Reise ja schon bessere Bedingungen gehabt und trotzdem kaum etwas gesehen. Für Donnerstag war die Vorhersage für Reykjavík allerdings gar nicht so schlecht. Der Himmel sollte heute Abend wolkenfrei sein und die Aurora Aktivität auf einer Skala von 0 bis 9 bei 5 liegen.

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Wir beschlossen für diesen Abend unsere Chancen zu erhöhen und buchten am alten Hafen in Reykjavík ganz spontan eine Polarlichter-Bootstour beim Veranstalter Special Tours Iceland. Um 22:00 Uhr sollte es also auf See gehen. Noch bevor wir einstiegen, zeichneten sich über uns hellleuchtende Streifen am Himmel ab. Voller Vorfreude und aufgeregt wie ein kleines Kind konnte ich es kaum erwarten, endlich loszufahren.

Um auf der 2-3 stündigen Tour nicht zu frieren, bekamen wir wärmende Ganzkörper-Overalls vom Veranstalter zur Verfügung gestellt. Für Frostbeulen wie mich eine super Sache, so konnte ich mich ganz entspannt auf die Polarlichter-Suche konzentrieren. Schon kurz nachdem wir abgelegt hatten, wurden wir mit einem unbeschreiblich schönen Ausblick belohnt. Der Himmel erstrahlte in grün und pink Tönen, die sich quer über unsere Köpfe hinweg bewegten. Mal schnell, mal langsamer. Erst ganz hell und dann in kräftig leuchtenden Farben. Der Himmel war so klar, dass man überall Sterne sehen konnte. Es leuchtete plötzlich überall, so dass man nicht wusste, wo man zuerst hinschauen sollte. Dieses Naturschauspiel war einfach traumhaft schön und eigentlich gar nicht zu beschreiben. Ein magischer Moment, den man nie wieder vergisst.

Während wir uns weiter von Reykjavík entfernten und schließlich im Fjord Kollafjörður ankamen, wurde die Intensität der Polarlichter weniger. Sie waren aber über die komplette Dauer unserer Bootstour immer wieder zu sehen. Über Lautsprecher bekamen wir von unserem Guide Jonathan Informationen zur Entstehung von Polarlichter und welche Sagen und Mythen es im Zusammenhang mit diesen Lichterscheinungen gibt. So glaubten die einen, dass Polarlichter einen Krieg oder den Tod eines Verwandten voraussagten. Viele Völker sahen in der Aurora borealis aber etwas Positives wie zum Beispiel Reichtum oder die Erfüllung des eigenen Kinderwunsches.

Für alle die, die Spiegelreflexkameras dabei hatten und nicht wussten, welche Einstellungen nötig sind, gab es obendrauf noch detaillierte Instruktionen und Tipps zum Fotografieren von Polarlichtern. Das war sehr hilfreich, denn oftmals kann man die Lichterscheinungen auf Fotos noch deutlicher sehen. Allerdings ist es auf einem sich bewegenden Boot mit Wellengang und bei Dunkelheit wirklich schwierig, gute Fotos zu machen.

Zum Glück hatten wir Fotografen von Special Tours Iceland an Board, die die Polarlichter super einfangen konnten.

Wie fotografiert man Polarlichter?

Mit meiner Canon EOS 750D und einem Canon EF 1.8/50mm Objektiv habe ich folgende Einstellungen benutzt:

Kameramodus: Manuell
Belichtungszeit: 1/8 Sekunde
Blende: 1.8
ISO-Wert: 6400 bzw. 12800
Fokus: Manuell/unendlich

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Polarlichter und Sternenhimmel. Fotoquelle: Special Tours Iceland

Veranstalter: Special Tours Iceland
Tour: Northern Lights by boat

Ort: Reykjavik
Dauer: 2-3 Stunden
Preis: 10.990 ISK (ca. 88 Euro)

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