Concón – ein Spaziergang zwischen hohen Sanddünen und steilen Klippen.

Während Valparaísos Straßen an den Sommerwochenenden teilweise so voll sind, dass man kaum weiß, wo man hintreten soll, suchen sich viele Porteños (Einwohner der Hafenstadt Valparaíso) ein schönes Plätzchen in einer der kleinen Nachbarstädte entlang der Küste. So auch ich!

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Mein Tagesausflug in Richtung Concón startete also am Samstag gegen Mittag. Concón liegt etwa 20 Kilometer nördlich von Valparaíso und hat 23.000 Einwohner. Bis auf die Sanddünen, die man bei guter Sicht von Valparaíso aus sehen kann, wusste ich nicht, was mich hier erwartet und da ich laut meiner Mitbewohner unbedingt bis zum Sonnenuntergang bleiben sollte, ging ich etwas später als ursprünglich geplant los. Ehrlich gesagt war ich mal wieder ziemlich unvorbereitet. Ich wusste weder, welchen Bus ich nehmen sollte, noch wo ich am Besten aussteige. Und das, obwohl Busfahren mit den sogenannten Micros, den kleinen in die Jahre gekommenen Linienbussen, hier aus verschiedenen Gründen zu einem echten Abenteuer werden kann. Nicht nur, weil die Busfahrer sich regelmäßig mit überhöhter Geschwindigkeit und vollbesetzten Bussen ein Rennen liefern oder man aufpassen muss, nicht beklaut zu werden. Es ist auch wirklich schwer herauszufinden, wo man gerade ist, denn die Haltestellen haben keine Namen – zumindest werden diese nirgendwo angezeigt. Ich erinnerte mich, wo der Bus ungefähr abfährt. Yeah, immerhin. Nach einer kurzen Orientierung saß ich also im Bus und wusste, dass ich in ungefähr einer Stunde ankommen sollte. Je nachdem, ob der Busfahrer die Geschwindigkeitsvorgaben einhält oder nicht.

Dank meiner Google Maps-Offline Karte konnte ich meinen aktuellen Standort auf dem Handy verfolgen, das ist meine neue Taktik beim Busfahren, damit ich nicht ständig nachfragen muss. Ich war im richtigen Bus, denn das Ziel kam immer näher. Es blieb nur immer noch die Frage, wo ich am Besten aussteigen sollte. Als die riesigen Sanddünen durch das Fenster zu sehen waren, entschied ich mich, weiter zu fahren. Denn hier wollte ich ja erst zum Sonnenuntergang sein und die Stadt befand sich noch ein Stück weiter in Richtung Norden. Irgendwann stieg ich aber mitten in der Pampa aus. Ich hatte gehört, dass die Stadt an sich sehr unspektakulär sei und hatte mehr Lust, auf einen Spaziergang am Wasser. Nach einer kurzen Orientierun nahm ich eine scheinbar endlose Treppe, die mich vom Berg runter in Richtung Küste bringen sollte. Ich war erst nicht sicher, ob ich hier überhaupt entlang laufen sollte, denn die Betontreppe sah noch etwas unfertig aus. Es fehlte das Geländer, überall lag Material herum. Aber an diesen Anblick gewöhnt man sich hier in Chile ganz schnell. Die Straßen sind auf eine liebevolle Art und Weise runtergekommen und einfach anders, als das was man aus Deutschland kennt. Also beschloss ich, mein Glück zu versuchen. Denn einen schnelleren Weg nach unten gab es wohl nicht. Ich musste feststellen, dass ich hier tatsächlich nicht hätte entlang laufen dürfen. Aber gut, ich war ja unten angekommen.

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Entlang der Küste gab es unheimlich viele schöne Fleckchen. Hier war kaum was los, denn die meisten fuhren diesen Abschnitt mit dem Auto und hielten nur da, wo es kleine Haltebuchten und Aussichtsplattformen gab. Zugegeben, an der ein oder anderen Stelle gab es nicht mal einen Fußgängerweg, sodass ich entweder auf der Straßen oder auf einem schmalen Weg an den Klippen laufen musste. Ich lief und lief – stundenlang, hielt immer wieder an um Fotos zu machen. Die Landschaft war einfach so traumhaft schön.

Irgendwann hatte ich dann das Bedürfnis eine Pause zu machen, mich irgendwo hinzusetzen und einfach die Aussicht zu genießen. Das Meer, die Sonne und die um mich herumfliegenden Vögel. Ich kletterte etwas von der Straße weg, um ungestört zu sein und machte es mir auf einem Felsvorsprung gemütlich. Ich fotografierte, las mein Buch mit dem Titel “Das Leben passiert für dich.” oder hörte Musik und sang dabei lauthals mit. Ohne mir Gedanken zu machen, ob mich vielleicht jemand hören könnte. Nach den letzten Tagen, in denen mich ein mittelschweres Tief voller negativer Gedanken und Heimweh geplagt hatte, ging es mir mal wieder richtig gut. Ich war dankbar und glücklich, das hier alles erleben zu dürfen. Und auch ein wenig stolz, dass ich mich nun endlich wieder aufgerappelt hatte. Noch eine ganze Weile blieb ich hier sitzen, bis ich beschloss weiter zu ziehen. Der leere Magen hatte sich gemeldet.

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Ich lief weiter die Straße entlang, hörte Musik und sang einfach weiter. Mal abgesehen davon, dass ich kaum einer Menschenseele begegnet bin, kannte mich hier ja eh niemand. Ich war in den letzten Stunden mindestens fünf Kilometer gelaufen. Und konnte mich trotzdem nicht satt sehen. Nachdem ich auf dem Weg einen weiteren Zwischenstopp gemacht hatte, um meinen Hunger zu stillen, kam ich endlich an meinem letzten Ziel an.

Da waren sie also, die berühmten Sanddünen von Concón. Ich kletterte die steile Wand hinauf und versank, verlor mein Gleichgewicht und fing mich wieder. Das war ganz schön anstrengend. Oben angekommen beobachtete ich die Menschen, die sich hier beim Sandboarding versuchten. Während sich die Sonne ganz langsam Richtung Horizont bewegte, suchte ich mir ein ungestörtes Plätzchen und schaute einfach nur in die Ferne. Ich lies mir mal wieder die letzten Tage und Wochen durch den Kopf gehen. Mit einem zufriedenen Lächeln im Gesicht beschloss ich, wiederzukommen, sollte ich in den nächsten Wochen noch einmal so sehr Sehnsucht nach Zuhause bekommen. Um hier in Concón den Resetknopf zu drücken.

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