Ein kurzer Abstecher nach Bolivien.

Der Grund, warum wir nach dem ganzen LATAM-Airlines-Streik-Schlamassel alle Hebel in Bewegung setzten, um irgendwie in den Norden Chiles zu kommen, war eine Tour, die wir bereits vor einigen Monaten gebucht hatten – und auf die ich mich seitdem unglaublich freute. Auch wenn wir kurz darüber nachgedacht hatten, war eine Planänderung keine Option für mich. Und das war im Nachhinein betrachtet das absolut Richtige. Denn die viertägige Tour, die wir von San Pedro de Atacama in Chile nach Uyuni in Bolivien und wieder zurück gemacht haben, war es auf alle Fälle wert und definitiv ein Highlight meiner dreimonatigen Reise.

Freitags Morgens um halb 8 ging es also los. Mit einer Mischung aus zu wenig Schlaf und zu viel Aufregung wurden wir in unserem Hostal abgeholt. Bevor wir uns in Richtung Grenze machten, holten wir die anderen Teilnehmer aus ihren Unterkünften ab: Sylvain aus Frankreich, Shalan aus Brasilien und Esther und Miguel aus Belgien. Rein in den Bus und auf nach Bolivien.

Um ehrlich zu sein, wussten Stefan und ich überhaupt nicht was uns erwartet. Natürlich war uns klar, wohin die Reise führte, das Drumherum allerdings nicht. Die anderen hingegen, das wurde uns im Laufe der vier Tage klar, hatten einen ungefähren Plan und Tipps für die Tour mit an die Hand bekommen. Während die meisten also mit mehreren 6-Liter Wassercontainern und jede Menge Klopapierrollen einstiegen, hatten wir nur unser Gepäck und bolivianische Pesos dabei. Auf der einstündigen Fahrt, die uns von 2400 Metern auf schlappe 4500 Metern Höhe brachte, kamen wir mit den anderen ins Gespräch. Eine äußerst sympathische Truppe, die nächsten vier Tage konnten also nur gut werden. Allerdings wurde die Stimmung gleich zu Beginn etwas gedrückt, als wir am Grenzübergang Hito Cajón ankamen. Die Luft hier oben war dünn. Sehr dünn. Und sogar das ruhige Sitzen im Auto erwies sich als anstrengend. Die Höhe schlug also direkt zu Beginn zu, dass das nur der Anfang war, wussten wir zu diesem Zeitpunkt noch nicht.

Wir verließen das chilenische Gebiet und staunten nicht schlecht, als wir nach wenigen Kilometern an der Grenzkontrolle in Bolivien ankamen. Eine einfache Hütte aus Ziegelsteinen mit einer rot-gelb-grünen Flagge begrüßte uns. Das komplette Gegenteil zu dem modernen chilenischen Gebäude. An dieser Stelle endete auch der asphaltierte Weg. Einfach so. Andere Länder, andere Standards. Und ein kleiner Vorgeschmack auf das, was uns in Bolivien erwarten sollte. Nachdem wir ohne Probleme unsere Einreisestempel bekamen, lernten wir unseren Fahrer Rico kennen. Er verstaute all unser Gepäck auf dem Dach seines Jeeps, wir stiegen ein und ließen Chile hinter uns.

Bolivien Tour Landschaft Grenzübergang Bolivien
Grenzkontrolle nach Bolivien.

Bolivien Tour Jeep

Bolivien Tour Jeep Guide

Kaum über der Grenze hat uns Bolivien mit seiner Landschaft im Altiplano komplett umgehauen. Um es gleich vorweg zu nehmen: wir machten jeden Tag unzählige Stopps, einer war schöner als der andere. Ich kann es nicht beschreiben, was genau anders war. Die Farben oder die Kontraste vielleicht, die in der trockenen Wüste rund um San Pedro de Atacama irgendwie ausblieben. Oder einfach die Höhe, die uns beflügelte. Es war jedenfalls traumhaft schön, so dass uns nicht nur das große Ziel – der Salar de Uyuni – sondern die komplette Tour Ewigkeiten in Erinnerung bleiben werden.

Aber zurück zu Tag 1, der für uns folgende Highlights bereit hielt:

Bolivien Tour Lanschaft Laguna Blanca
Die wunderschöne Laguna Blanca. Ein See mit weißschimmerndem Wasser, auf einer Höhe von 4350 Metern und umzingelt von vier gewaltigen Vulkanen.
Bolivien Tour Landschaft Termas de Polques
Bei den eher kühlen Temperaturen im Altiplano sind diese heißen Quellen – die Aguas Termales de Polques – eine wohltuende Abwechslung mit fantastischem Ausblick.
Bolivien Tour Sol de Manana Geysir2
Es blubberte und rauchte überall auf dem höchsten Punkt unserer Reise, dem Geothermalgebiet Sol de Mañana auf knapp 5000 Meter über dem Meeresspiegel.
Bolivien Tour Laguna Colorada
Hunderte Flamingos in einem rosaroten See, der durch die Spiegelung der Sonne wie ein überdimensionaler Diamant funkelte. Mein absoluter Lieblingsplatz an diesem ersten Tag – die wunderschöne Laguna Colorada.

Der zweite Tag in Bolivien begann mit einem amerikanischen Frühstück. Pancakes für alle! Und das passend zu dem besonderen Anlass, den wir heute feierten: denn Stefan hatte Geburtstag. Nur leider konnte das Geburtstagskind weder die Euphorie, noch die Pancakes mit uns teilen, denn in der Nacht zuvor – ihr konntet es wohl bereits zwischen den Zeilen lesen – hatte uns die Höhenkrankheit überrascht. Und die Atembeschwerden von Tag 1 waren nichts dagegen. Wir fuhren also heute mit gezogener Handbremse. Rico, der leider oder zum Glück – je nachdem – nicht der schnellste Fahrer war, und Stefan, der von mir statt mit Geschenken überhäuft, eher mit Medikamenten voll gepumpt wurde. Obwohl es anfangs nicht danach aussah, entpuppte sich auch Tag 2 als schön mit abwechslungsreichen Landschaften, lustigen Geschichten, ausgelassener Stimmung und leckerem Essen. Und während das Überthema vom ersten Tag wohl Lagunen und Seen war, sahen wir an diesem zweiten Tag jede Menge Felsen.

Bolivien Tour Copa del Mundo
Humor haben sie ja die Bolivianer. In der Fußballweltmeisterschaft haben sie es noch nie über die Vorrunde hinaus geschafft und sind trotzdem stolz auf diesen Felshaufen, den sie liebevoll Copa del Mundo – also Weltmeisterpokal – nennen.
Bolivien Tour Valle de Rocas
Valle de Roca – das Tal der Felsen.
Bolivien Tour Canon Anaconda
Riesige Felsformationen und ein grüner Fluss, der sich wie eine Schlange durch die Landschaft zieht. Im Cañón del Rio Anaconda.
Bolivien Tour Hostal Salar de Uyuni
Wände und Böden aus Salz – unser Hostal am Salar de Uyuni.

Am Abend kamen wir in unserer zweiten Unterkunft an – einem Hostal direkt am Salar de Uyuni. Und der Ort war Programm, denn nicht nur die Wände, sondern auch der Boden der Unterkunft bestanden aus Salz. Sehr cool! Wir saßen gemütlich zusammen, stießen auf Stefans Geburtstag an, der leider wieder nicht richtig mitfeiern konnte. Zumindest nicht mit Alkohol, aber dafür mit der ersten Nahrung seit 24 Stunden, einem stabilem Magen und guter Laune. In dieser Nacht schliefen wir alle besser, viel besser und konnten entspannt in Tag 3 starten. Ein Glück, denn dieser begann bereits um 4 Uhr morgens. Oder besser gesagt nachts.

Wie bereits die Tage zuvor packte Rico den Jeep. Mit Lebensmitteln und unserem Gepäck auf dem Dach, während es draußen noch stockdunkel war. Das war mittlerweile ein kleines Ritual geworden mit dem wir unsere spannenden Tage begannen und abschlossen. Warum wir so früh aufstehen mussten? Weil wir uns den Sonnenaufgang auf  dem größten ausgetrockneten Salzsee der Welt anschauen wollten. Also hieß es: rein ins Auto und los! Egal wie müde die Äuglein waren.

Bolivien Tour Salar Sonnenaufgang
Sonnenaufgang am Salar de Uyuni.
Bolivien Tour Salar de Uyuni Isla Incahuasi
Die Insel Incahuasi auf dem Salar de Uyuni ist Heimat jahrhundertalter Kakteen.

Der Besuch auf dem Salar de Uyuni und der Insel Incahuasi war einzigartig. Zu besonders, um ihn hier in einem kurzen Satz abzufrühstücken. Und es sind zu viele tolle Bilder entstanden, als dass ich mich für zwei, drei oder gar vier entscheiden könnte. Also wird es dazu einen eigenen Beitrag geben – müssen!

Für die anderen vier Teilnehmer, die nicht mit uns zurück nach Chile fuhren, endete die Tour an Tag 3 mit einem Besuch auf dem Zugfriedhof und dem anschließenden von Rico zubereiteten Mittagessen in Uyuni. Wie in den vergangenen drei Tagen sorgte er auch heute für unser leibliches Wohl und überraschte uns mit neuen Leckereien: Quinoa mit  Lamafleisch und Gemüsebeilage.

Nachdem wir alle satt und glücklich waren war es Zeit sich zu verabschieden. Von der Gruppe, Uyuni und Bolivien. Denn nun ging es mit einer kurzen Übernachtung auf halber Strecke zurück nach San Pedro de Atacama in Chile.

Bolivien Tour Cementerio de Trenes
Auf dem Cementerio de Trenes in Uyuni lagern eine Menge alter verrotteter Züge. Und das seit über 40 Jahren.
Bolivien Tour Essen
Ein typisches Mittagsessen auf unserer Tour. Zubereitet von unserem Guide Rico.

Touranbieter gibt es sowohl in San Pedro de Atacama, als auch Uyuni wie Sand am Meer. Meist mit den gleichen Zielen und Preisen.

Empfehlen kann ich Skyline Traveller.
Adresse: Toconao 544/San Pedro de Atacama und Ferroviaria 4/Uyuni

—————————————————————————————————————————

Du möchtest auf dem Laufenden bleiben und eine Benachrichtigung per E-Mail bekommen, wenn ein neuer Blog-Beitrag veröffentlicht wurde? Dann abonniere einfach den fräulein_weitweitweg-Newsletter.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

* Die Checkbox für die Zustimmung zur Speicherung ist nach DSGVO zwingend.

Ich akzeptiere

Betrieben von WordPress | Theme: Baskerville 2 von Anders Noren.

Nach oben ↑