Ein Tag voller Glücksmomente.

Wenn es in den letzten vier Jahren einen Tag gab, der ein kleines bisschen perfekter war als alle anderen. Einen Tag, der emotionaler und gefühlvoller und gleichzeitig noch Stefan-und-Sarina-typischer war als alle anderen, dann war es dieser. Dieser eine Tag. Der 31. Juli 2018.

Während mein frischgebackener Ehemann – es klingt noch ganz ungewohnt und so furchtbar erwachsen – schläft, sitze ich hier auf unserer wunderschönen Dachterrasse mit Blick auf die Elbmündung und einen sternenklaren Nachthimmel. Gedanklich lasse ich die letzten 15 Stunden Revue passieren und stolpere von einem Glücksmoment zum nächsten. Von lautem Lachen zu nicht aufzuhaltenden Tränen. Von großem Herzklopfen zu tiefer Entspannung. Von den schwitzigen 32 Grad im kleinen Leuchtturm zur stürmischen Schlechtwetterfront, die uns zu einer Pause in dem Strand Café zwingt, in dem wir vor über vier Jahren schon einmal saßen. Ich denke an die Standesbeamtin und an die locker-lustige Trauung, die nicht besser zu uns hätte passen können. An die Mighty Oaks, die uns beim Shooting im Wald und auch später am Abend, als wir zum Sonnenuntergang über die Dächer Cuxhavens tänzeln, begleiten. An wunderschöne Heidelandschaften und all die anderen Orte, die wir an diesem Tag besucht haben. An eine Fotografin, die es in nullkommanix schafft, meinen kamerascheuen Mann zu begeistern. Und mich natürlich auch.

Ja, dieser Tag war ein ganz besonderer.

Die letzten Stunden vor dem großen Moment.

Als heute morgen um neun Uhr der Wecker klingelte, war von Aufregung noch nichts zu spüren. So gar nichts. Um ehrlich zu sein war ich sogar ein bisschen enttäuscht, als wir feststellten, dass wir dem heutigen Tag total relaxt entgegen blickten. Keine aufregungsbedingte Übelkeit, keine aufsteigende Panik. Nichts – bis auf die Sorge um Stefans schmerzgeplagten Rücken. Sitzen war schwierig, lange stehen tat auch weh und mir war mal wieder klar, dass unsere Körper das perfekte Team abgeben. Denn einer der beiden zickt und zwickt irgendwie immer. Also startete ich meinen Hochzeitstag mit einem Besuch bei der Apotheke, um mich schonmal an die Pflichten einer fürsorgenden Ehefrau zu gewöhnen.

Ausgestattet mit entzündungshemmenden Tabletten, Schmerzgel und Wärmepflastern ging es nun an die letzte Nahrungsaufnahme als unverheiratetes Pärchen. Obwohl der Morgen anfangs noch unendlich schien und wir die Uhr stets im Auge behielten, verging die Zeit wie im Flug. Um 10:50 Uhr war er also da, der erste Anflug von Hektik. Denn um 11 hatte ich einen Termin bei der Floristin, die Brautstrauß und Blumenkranz für mich vorbereitet hatte und ich war noch im Schlafanzug. Schnell den Orangensaft ausgetrunken, die Klamotten von gestern übergeworfen und ab ins Auto. Blümchen abgeholt und zurück in die Unterkunft, in der bereits die erste Überraschung des heutigen Tages auf uns wartete. Ein Blumenstrauß und eine Flasche Sekt – organisiert von Stefans Arbeitskollegen. Und plötzlich wurde uns klar, woher man hier im Hotel von unserer Hochzeit wusste und wieso wir anstelle des gebuchten Zimmers eine komplette Ferienwohnung mit allem möglichen Chichi bewohnen. Voller Freude und Dankbarkeit sprang ich fix unter die Dusche. Denn mir blieb noch etwas mehr als eine Stunde. Dann musste ich bereit sein. Bereit für den schönsten Tag meines Lebens.

Ich zog mich an, machte mir die Haare und packte die Dinge, die wir heute dringend benötigten. Stammbuch, Ringe und unsere Ausweise.

Typisch ich. Typisch wir.

Zu guter Letzt beschloss ich, mir doch noch die Fingernägel zu lackieren. 10 Minuten vor der geplanten Abfahrt erwies sich dies allerdings als eine ziemlich blöde Idee. Der Nagellack hatte bei der Hitze wohl keine Lust mitzuspielen und zog Fäden, so dass es keine andere Möglichkeit gab als meinem Zukünftigen zu gestehen, dass wir auf dem Weg zur Trauung noch im Drogeriemarkt anhalten müssten, um Nagellackentferner zu kaufen. Ihr könnt euch sicher vorstellen, dass die Begeisterung seinerseits eher zurückhaltend ausfiel. Aber Stefan kennt mich nun schon etwas länger und hat gelernt solche Situationen zu meistern. Oder zu akzeptieren. In voller Braut- und Bräutigammontur legten wir also eine dm-Pause ein. Da mich an meinem Blumenschmuck zwei klitzekleine Dinge störten, kaufte ich neben Wattepads und Nagellackentferner auch noch weißes Satinband und eine Schere und verwandelte unser Auto auf dem Weg in Richtung Wremen kurzerhand in eine fahrende Kosmetik- und Bastelkiste. Während Stefan auf dem Fahrersitz sichtlich angespannt auf das erfolgreiche Ende meines kreativen Outputs hoffte, versuchte ich die Situation durch mein Grinsen zu retten. So läuft es immer. Und meistens geht alles gut. Auch heute. Der Nagellack war weg, das Satinband am Brautstrauß ausgetauscht und die rosa Blüten, die farblich so garnicht zu meinem Outfit passten, entfernt.

Ankunft am Kleinen Preußen.

Um kurz nach zwei kamen wir also in Wremen an. Von weitem schon sahen wir ihn da stehen – den Leuchtturm, der für uns so viele Erinnerungen bereit hielt. Auf dem Weg dorthin, vorbei an dem kleinen Kutterhafen, zogen wir die Blicke der umherlaufenden Touristen auf uns. Wir mit unseren hübschen abgestimmten Outfits und der auffälligen Blumendekoration. Am Leuchtturm angekommen warteten bereits die Standesbeamtin Frau Bastian und der Leuchtturmwärter auf uns und begrüßten uns herzlich. Auch unsere Fotografin Alina, die extra aus Hamburg kam, traf kurze Zeit später ein – vollgepackt mit ihrem Rucksack und den beiden Kameras, die schon über ihren Schultern hingen. Bereit, um jeden einzelnen Moment dieses Tages für uns und unsere Liebsten festzuhalten.

Und dann ging es los. 14:30 Uhr. Der Zeitpunkt, auf den wir seit 227 Tagen warteten. Die standesamtliche Trauung dauerte eine knappe halbe Stunde – 25 Minuten, in denen wir ziemlich viel lachten und eine große Portion Spaß hatten, weil einfach alles gepasst hat. Bis auf die schwitzigen 32 Grad im winzig kleinen Leuchtturm vielleicht. Aber es hätte uns deutlich schlimmer treffen können. Nach einer sehr witzigen Ansprache der Standesbeamtin, dem Ja-Wort und dem anschließenden Ringtausch, sowie unseren Unterschriften im Ehebucheintrag war der offizielle Teil des heutigen Tags beendet und wir waren nun Mann und Frau. Ganz schön verrückt.

Unser Tag in vielen Bildern.

Den restlichen Nachmittag verbrachten Stefan und ich vor der Kamera. Und Alina dahinter. Zuerst blieben wir in der Nähe, machten Fotos auf der Aussichtsplattform des Kleinen Preußen, am Kutterhafen und an der Küste. Obwohl wir die Kulisse bereits kannten, war ich von Neuem total verliebt in dieses kleine süße Fleckchen Erde. Ein traumhaft schöner Platz, um zu heiraten.

 

Plötzlich zog eine Schlechtwetterfront über uns hinweg. Von jetzt auf gleich wurde es dunkel, nass und stürmisch. Wir gönnten uns eine kurze Pause im SiEBHAUS, einem kleinen gemütlichen Cafe in unmittelbarer Nähe des Kleinen Preußen und schauten zu, wie draußen die Welt unter ging. Hier waren wir schon einmal, damals saßen wir noch bei Sonne satt im Liegestuhl. Schlechtes Wetter ist absolut nicht meins und kann mir gut und gerne auch mal die Stimmung vermiesen, aber das war heute egal. Vermutlich hätte es mitten im Sommer sogar schneien können, wir hätten darüber gelacht.

Nach dem Regen packten wir unsere Sachen und ließen Wremen und den Leuchtturm hinter uns. Wir fuhren in Richtung Norden, machten verschiedene Stopps zwischen dem Kleinen Preußen und Cuxhaven – einer schöner als der andere. Wir kletterten im Wald auf Bäume, spazierten Hand in Hand über Heidelandschaften und genossen die letzten Sonnenstrahlen des Tages am Strand. Und obwohl wir beide nicht oft und gerne vor der Kamera stehen, hatten wir unheimlich viel Spaß. Wir vertrauten Alina voll und ganz und waren unheimlich dankbar, dass sie uns an diesem Tag begleitete und zu diesen Orten entführte, an denen wir uns auf Anhieb so wohl fühlten, dass wir alles um uns herum einfach vergessen konnten. 

Alle Bilder von Alina Atzler Photography.

Runter kommen. Und in Erinnerungen schwelgen.

Am Abend kehrte dann langsam etwas Ruhe in diesen emotionalen Tag. Zurück in unserer Unterkunft liefen die Höhepunkte wie ein Schnelldurchlauf durch meinen Kopf. Ich betrachtete den Ring an meinem Finger, meinen Mann, der über beide Ohren grinste und einfach nicht aufhörte und stellte fest, dass ich mir diesen Tag nicht schöner hätte vorstellen können. Wir machten uns frisch, holten beim Italiener um die Ecke zwei Pizzen zum Mitnehmen und machten es uns auf der Dachterrasse gemütlich. So wie es uns der Hotelbesitzer empfohlen hatte. Wir tranken Wein. Tanzten zu den Mighty Oaks, die uns mit ihren Liedern schon etwas länger begleiteten und diesen Moment noch emotionaler machten, als er ohnehin schon war. Wir schauten uns den Sonnenuntergang an und erinnerten uns an die schönsten Momente unseres heutigen Tages.

Von denen es so unendlich viele gab.

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