Heiße Quellen – oder Freiluftbaden auf Isländisch.

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Heiße Quelle im Südwesten Islands.

Die Isländer sind ein sehr entspanntes Völkchen. Während uns Regen, Wind und Schnee auf unserer Reise ständig begleitet haben, und dieses unvorhersehbare Wetter manchmal dafür gesorgt hat, dass sich meine Laune langsam aber sicher Richtung Keller verabschiedet, habe ich mich oft gefragt, wie das so ist als Isländer. Wie man das aushält, wenn die Sonne scheint und es von jetzt auf nachher einfach anfängt wie aus Eimern zu schütten. Oder Hauptverkehrsstraßen wegen Überflutung und Sturm tagelang geschlossen werden und es keine Straße gibt, die drum herum führt. In diesen Momenten habe ich mich umgesehen und war davon überzeugt, dass es an der unfassbar schönen Natur dieses Landes liegen muss. An den vielen beeindruckenden Wasserfällen, den mit Moos bewachsenen Lavafeldern, den unendlichen Weiten. Und den zahlreichen heißen Quellen, die im ganzen Land zum Entspannen einladen.

Durch die aktiven Vulkansysteme, die es in Island gibt, sprudelt an vielen Stellen heißes Wasser aus der Erde. Hier kann man mit viel Glück einsam und alleine und umgeben von wilder Natur in einem natürlichen Pool die Seele baumeln lassen. Auch bei schlechtem Wetter und kalten Temperaturen. Um diese Hot Pots – oder auf isländisch heitur pottar – zu finden, braucht es etwas Glück oder gute Vorbereitung. Manchmal sogar beides. Viele heiße Quellen sind durch Straßenschilder gekennzeichnet, man muss nur aufmerksam auf den Mann und dem daneben abgebildeten Thermometer achten. Da es in Island nur wenige Straßen und somit auch wenige Straßenschilder gibt, kann man sie kaum übersehen. Damit es nicht zur Verwechslung kommt: ist kein Thermometer zu sehen, handelt es sich “nur” um ein Schwimmbad.

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Straßenschild, das eine natürliche heiße Quelle kennzeichnet.

Für alle die, die nichts dem Schicksal überlassen möchten, hilft eine isländische Seite namens www.hotpoticeland.com bei der Suche. Hier bekommt man eine Übersicht, über zahlreiche heiße Quellen mit Fotos und einer kurzen Beschreibung. Diese Seite ist sehr hilfreich, wenn man gerade unterwegs ist und vor dem Einchecken im nächsten Hotel noch spontan baden gehen möchte. Ein ganz wichtiger Tipp ist: Badesachen immer griffbereit haben!

Ich bin in den letzten beiden Wochen zweimal in den Genuss eines solchen natürlichen Hot Pots gekommen und würde mir wünschen, wir hätten uns mehr Zeit dafür eingeplant. Der Entspannungsfaktor ist unendlich und nicht mit einem Schwimmbadbesuch oder Nachmittag am See zu vergleichen.

Fosslaug
Unser erster heitur pottur war der etwas versteckt gelegene Fosslaug. Wir waren gerade auf dem Weg nach Akureyri im Norden Islands und hatten uns vor der Fahrt die Koordinaten rausgesucht. Der Weg dorthin war sehr abenteuerlich. Hätten wir kurz vorher nicht einen deutschen Tramper eingesammelt, der das gleiche Ziel hatte, wir hätten wohlmöglich aufgegeben. Navigiert von Google maps standen wir auf der falschen Seite des Flusses und konnten weit und breit keine dampfende Quelle entdecken. Kein Wunder, der Hot Pot lag auf der anderen Seite. Und hier entdeckten wir dann schnell die handbeschrifteten Holzschilder, die uns zu unserem Ziel führten.

Man läuft ein paar Minuten bis man auf einer kleinen Insel ankommt, ist dann aber inmitten einer wunderschönen Landschaft. Die Insel wird umringt vom Fluss Svartá, direkt nebenan befindet sich der Wasserfall Reykjafoss, den man unbedingt anschauen sollte. Der Hot Pot ist angenehm warm und aus Steinen und Torf gebaut. Bei gutem Wetter hat man hier einen schönen Ausblick auf die untergehende Sonne.

Name: Fosslaug
GPS Daten: 65°29’44.6″N 19°22’55.6″W
Tipp: Straße 753 bis zu einem kleinen Tor mit der Beschriftung “Fosslaug” folgen.

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Weg zum Hot Pot Fosslaug, vorbei am Wasserfall Reykjafoss.

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Hrunalaug
Neben Straßenschildern und Internetseiten ist es oft auch sinnvoll, bei Einheimischen nach Geheimtipps zu fragen. Wir hatten das Glück, dass unsere Vermieterin in Hella – einem Ort im Südwesten Islands – uns ein paar Bademöglichkeiten in der Umgebung empfehlen konnte. Wir entschieden uns auch diesmal für den natürlichen Hot Pot und nicht für das öffentliche Schwimmbad. Und wir haben unsere Entscheidung keinesfalls bereut.

Hrunalaug war mit der Wegbeschreibung unserer Vermieterin wirklich gut zu finden. Der Parkplatz befindet sich in unmittelbarer Nähe des Hot Pots, man muss nur über einen kleinen Hügel laufen. Der Hot Pot besteht aus zwei kleineren aus Stein gebauten Becken und einem überdachten Torfhäusschen, indem man sich umziehen kann. Von den beiden Becken aus schaut man auf einen Fluss und eine hübsche Hügellandschaft. Die Aussicht ist traumhaft, ein Ausflug dahin lohnt sich in jedem Fall.

Name: Hrunalaug
GPS Daten: N64.140339°, W20.259107°

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Wegbeschreibung nach Hrunalaug.

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