Mit dem Superjeep ins Hochland.

Neben der gut ausgebauten und größtenteils asphaltierten Straße 1 – besser bekannt als die Ringstraße – gibt es in Island viele kleinere, teilweise unbefestigte Straßen und solche, die für normale PKWs nicht zugelassen sind. Die sogenannten F-Straßen. Sie führen durch das unbewohnte Hochland und dürfen nur mit 4×4 Jeeps befahren werden. Fährt man eine solche Strecke, wird einem ganz schnell klar warum. Dazu später mehr.

Im Vorfeld unserer Reise haben wir neben dem Mietwagen und den Unterkünften, auch eine geführte Tour nach Askja gebucht. Askja ist ein Schichtvulkan, der auf 1510m im Hochland neben dem Vatnajökull-Gletscher liegt und nur über F-Straßen zu erreichen ist. In dieser mondähnlichen Landschaft trainierten einst Astronauten der NASA für ihren Einsatz im Apollo-Programm. Los ging es um 6:30 Uhr an einem Mittwochmorgen. Vor dem Büro der Agentur Saga Travel in Akureyri nahm uns unser Guide Þórður für die 13-stündige Tour in Empfang. Der Superjeep machte seinem Namen alle Ehre und lies unseren kleinen Ford Fiesta wie eine rote Mücke aussehen. Wir fühlten uns sicher, uns konnte nichts passieren. Dachten wir. Denn dann erfuhren wir, dass unser Guide eigentlich von einer anderen Agentur ist und aushilft, weil der Superjeep von Saga Travel gestern bei der Tour nach Askja im Fluss stecken geblieben ist.

Mit dieser Nachricht machten wir uns auf den Weg nach Askja und hielten zuerst am See Mývatn, um dort zwei weitere Teilnehmer abzuholen. Von hier aus ging es ins Landesinnere. Wir fuhren über sehr, sehr holprige Straßen, auf denen wir immer wieder aus unseren bequemen Sitzen gehoben wurden und durchquerten mehrere Flüße. Immer in Gedanken an den verendeten Saga Travel Superjeep.

Wir liefen durch Islands größtes Lavafeld Ódáðahraun und stoppten in Herðubreiðalindir für einen kurzen aber wunderschönen Spaziergang durch eine bunt blühende Landschaft. Trotz des dunklen Himmels und der eher kargen Umgebung strahlten die Felder in den schönsten Herbstfarben. Dazwischen befand sich ein kleiner See und ein Bach mit Wasserfall. Der Kontrast hätte nicht stärker sein können.

Kleines Häuschen bei Herðubreiðalindir.

 

Bevor wir zu unserem Tagesziel in Askja aufbrachen, stiegen wir in die Drachenschlucht Drekagil und stärkten uns in einer gemütlichen Wanderhütte mit unseren mitgebrachten Snacks. Hier kamen alle Tageswanderer, die auf dem Weg nach Askja waren, zusammen.

Während wir noch eine ganze Weile über schroffe Schotterpisten fuhren, überprüfte unser Guide Þórður immer und immer wieder die Wettervorhersage für Askja. Einerseits fragte ich mich, wie er hier im Nichts überhaupt Netz haben konnte und gleichzeitig wunderte ich mich, über den etwas besorgten Gesichtsausdruck. Bereits am Morgen hatte er uns gesagt, dass wir heute keine optimalen Wetterbedingungen hätten. In Askja angekommen erwartete uns dann eine dichte Wolkendecke, heftiger Regen und eine komplett verschneite Landschaft. Man konnte nur wenige Meter weit sehen. Ihr könnt euch vorstellen wie groß die Begeisterung ausfiel, als wir erfuhren, dass nun eine 45 minütige Wanderung zu den beiden Seen Víti und Öskjuvatn vor uns lag. Askja war das Ziel der langen Tagestour, kneifen und im warmen Auto warten war also keine Option. Also rein in die Regenkleidung und los. Wir liefen und liefen und der Weg schien einfach kein Ende zu nehmen. Nach einer gefühlten Ewigkeit war der erste der beiden Seen in Sicht: Víti oder auch die Hölle genannt. Leider waren die Wetterbedingungen so schlecht, dass wir schon an diesem Punkt beschlossen, als Gruppe zurück zu kehren. Es war nass, kalt und rutschig. Keine optimalen Bedingungen, um an einem – wenn auch schlummernden – Vulkankrater herum zu laufen.

Verschneiter Vulkankrater und der darin gelegene See Víti.

 

Völlig durchgefroren und nass bis auf die Unterwäsche freuten wir uns alle – inklusive dem durchaus erfahrenen und mit guter Regenausrüstung ausgestattetem Guide – auf eine heiße Dusche und trockene Kleidung.

Veranstalter: Saga Travel/IceAk
Tour: Askja Superjeep Tour
Ort: Akureyri
Dauer: 13-14 Stunden
Preis: 45.000 ISK (ca. 360 Euro)

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