Natur pur im Nationalpark Torres del Paine.

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Die berühmte Skyline des Torres del Paine.

Man schafft es eigentlich kaum, hier in Chile an ihnen vorbei zu kommen. Die drei imposanten Granittürme des Torres del Paine sind das Aushängeschild des Landes. Ein Touristenmagnet, der einen direkt bei der Ankunft am Flughafen in Santiago auf unzähligen Werbetafeln begrüßt und sogar den wohl am häufigsten genutzten Geldschein – die 1.000 Pesos – ziert.

Der Nationalpark “Türme des blauen Himmels”, wie er in der Sprache der Tehuelche-Indianer heißt, befindet sich im Süden des Landes in der Region Magellan und Chilenische Antarktis und umfasst 2420 Quadratkilometer. Das Paradies für Outdoor-Fans kann man auf unterschiedliche Arten erkunden: mit geführten Tagestouren, wandernd über einen der beiden bekannten Trekking-Strecken – dem W (100 km/ca. 5 Tage) oder O (130 km/ca. 8 Tage) oder mit dem eigenen Auto. Wir hatten uns im Vorfeld tatsächlich überlegt, den W-Trek zu laufen. Und haben uns letztendlich dagegen entschieden. Vier Tage mit Gepäck plus Campingausrüstung auf dem Rücken eine Strecke von 100 Kilometern und vielen vielen Höhenmetern zu wandern, wäre dann doch eine Nummer zu groß für uns gewesen. Oder vielleicht sogar zwei. Also entschieden wir uns für die komfortablere Variante und mieteten ein Auto. Auch, um im Fall der Fälle einen Schutz vor dem unvorhersehbaren patagonischen Wetter – im April ist in Chile immerhin schon Herbst –  zu haben.

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Übersicht über den Torres del Paine Nationalpark: Unterkünfte, Aussichtspunkte, befahrbare Straßen und die Wanderrouten W (lila) und O (lila und orange).

Für die Erkundung des Parks hatten wir insgesamt drei Tage eingeplant. Ausgangspunkt für unsere Touren war eine Farm etwa 40 Minuten südlich vom Eingang des Parks gelegen. Wir übernachteten hier in einer kleinen und einfachen, aber gemütlichen grünen Hütte angrenzend an das Haus der Farmbetreiber, die aus einem offenen Wohn- und Schlafbereich mit Kamin und Sitzecke und einem eigenen Bad bestand. Da wir mitten im Nirgendwo und weit entfernt von der nächsten Kleinstadt waren, gab es hier keine Stromleitungen, sondern nur einen Generator, der morgen und abends für ein paar wenige Stunden angeschaltet wurde. Unser Aufenthalt dort war nicht nur deswegen eine ganz besondere Erfahrung, sondern wir hatten gleich in der ersten Nacht eisige Temperaturen bei starkem Wind – und das bei undichten Fenstern und fehlender Heizung. Für zwei Stadtkinder wie uns, war die größte Herausforderung also erstmal, den kleinen Kamin dauerhaft mit Holz bei Laune zu halten. Es war kalt, sehr kalt und der Wind pfiff so stark durch die Schlitze entlang des Fensterrahmens, dass der Vorhang davor kaum still stand. Sowohl die Temperaturen, als auch unsere Feuer-Skills wurden von Tag zu Tag besser – ich bin mir sicher, dass wir mittlerweile in der Wildnis überleben würden. Kurz zumindest.

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Unsere kleine Hütte im patagonischen Nirgendwo.

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Obwohl, oder gerade weil wir uns auf Regenwetter und kalte Temperaturen eingestellt hatten, hatten wir tagsüber meist Sonnenschein und blauen Himmel. Das perfekte Wetter also, um die zahlreichen Höhepunkte des Parks zu erkunden: Lagunen und Seen in den schönsten Türkis- und Blautönen, Gletscher, Wasserfälle, Aussichtspunkte, von denen man die unendliche Weite des Parks genießen und Tiere beobachten kann. Überall springen Guanacos, eine in Südamerika wildlebende Lama-Art, herum. Auf der Straße, in den Feldern, am Wasser. Oftmals in großen Gruppen. Füchse. Flamingos. Und Darwin-Nandus, eine lustige Laufvogel Art, die ebenfalls hier in Südamerika heimisch ist. Man kann im Torres del Paine sogar Pumas antreffen. Ich weiß allerdings nicht, ob ich mich darüber so gefreut hätte. Lustigerweise gibt es Informationsmaterial, das darüber informiert, was man tun sollte, wenn man im Park auf einen Puma trifft. Die unterschiedlichen Quellen widersprechen sich allerdings. In die Augen schauen, nicht in die Augen schauen. Laute Geräusche machen, sich leise verhalten. Zum Glück kamen wir erst garnicht in die Situation, uns darum Gedanken machen zu müssen.

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Da wir mit meinem kaputten Fuß leider etwas eingeschränkt waren und keine großen Wandertouren machen konnten, beschlossen wir für eine Bootsfahrt über den Lago Grey zu buchen und dem gleichnamigen Gletscher einen Besuch abzustatten. Dieser sah schon von weitem ziemlich imposant aus. Je mehr wir uns in Richtung Gletscher bewegten, umso mehr Eisschollen kamen uns auf dem See entgegen. In den unterschiedlichsten und schönsten Blautönen. Kurz vor dem Gletscher gab es plötzlich einen lauten Schlag, als wir einen der kleineren und unscheinbaren Brocken rammten. Zugegeben, diese waren teilweise wirklich schwer in dem trübgrauen Wasser zu sehen. Als einer der Mitarbeiter auf die Seite rannte, von der das Geräusch kam, musste ich kurz an den Untergang der Titanic denken – es gab aber wohl keinen Grund zur Sorge und wir fuhren ungehindert weiter.

Nach etwa eineinhalb Stunden waren wir an unserem Ziel angelangt. Wir waren dem Gletscher so nah, dass wir seine Farben, Strukturen und Ausmaße aus nächster Nähe beobachten konnten. Es ist schon verrückt, was die Natur so zu bieten hat. Und wie dick so eine Eisschicht ist. Auch wenn wir die Zahlen vorher bereits gehört hatten, so wirklich bewusst wird einem das erst, wenn man unmittelbar vor so einer Gletscherkante steht. Und diese immer noch gigantisch erscheint, obwohl mal auf dem oberen Deck eines Bootes steht.

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Auf der Rückfahrt gab es dann für jeden einen Pisco Sour mit Gletschereis und ein Quiz, bei dem die Fakten, die man uns zuvor über den Gletscher verraten hatte, abgefragt wurden. Für jede richtige Antwort gab es – wie soll es auch anders sein – einen weiteren Pisco Sour.

Auch wenn wir mit dem Auto nur einen begrenzten Teil des Parks erkunden konnten und teilweise jeden Tag die gleichen Strecken gefahren sind, gab es immer und immer wieder wunderschöne Stellen, die uns bisher nicht aufgefallen waren. Und das, weil die Landschaft mit ihren unterschiedlichen Farben und Kontrasten eine einzige Reizüberflutung ist und man garnicht alles erfassen kann. Wir hätten also vermutlich noch weitere Tage hier verbringen können, ohne uns auch nur annähernd zu langweilen.

Die Tatsache, dass wir aufgrund meiner Verletzung nicht einmal die Tageswanderung zu der Lagune in der Nähe der drei Türme machen konnten, hat mich zwar wirklich traurig gemacht. Aber dennoch waren diese drei Tage inmitten der patagonischen Natur definitiv ein Highlight meiner Chile-Reise. Und deshalb habe ich mir eins fest vorgenommen – irgendwann werde ich wieder kommen. Ohne kaputten Fuß und mit guter Vorbereitung. Um das W oder sogar das O zu laufen.

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