Tag 1 in Island.

Es ist 21:58 Uhr. Ich sitze hier in unserem Hotelzimmer und versuche mit “beer nuts” meinen hungrigen Magen zu stopfen. Nach vielen, vielen Kilometern – genauer gesagt 538, die meisten davon über kurvenreiche Schotterstraßen – sind wir endlich angekommen in Þingeyri einem kleinen Örtchen in den isländischen Westfjorden. Einem Ort, der 250 Einwohner hat und in dem man kurz vor 22 Uhr nichts mehr Essbares findet.

Tag 1 startete heute mit einem bewölkten Himmel und kühlen 12 Grad. Für hiesige Verhältnisse garnicht mal so schlecht. Nach dem Frühstück ging es im Zwiebellook los. Merinoshirt, Softshelljacke, Wind- und Regenmantel. Eine Wollmütze für den Kopf, Wandersocken und Lederboots für die Füße. Jeanshose. Wir wussten, dass das Wetter in Island launisch ist und von jetzt auf gleich umschlagen kann. Allerdings hatten wir eine weite Strecke vor uns und würden die meiste Zeit des Tages im Auto verbringen.

Vulkakrater Grábrók im Westen Islands.

 

Auf dem Weg von Hraunsnef – hier hatten wir gestern nach der späten Ankunft einen Zwischenstopp für die Nacht eingelegt – nach Þingeyri hatten wir ursprünglich keinen Umweg eingeplant. Doch die Snæfellsnes Halbinsel lockte uns und wir beschlossen, einen kleinen Abstecher dorthin zu machen. Sie lag ja schließlich auf dem Weg. Je mehr wir uns näherten, desto dichter wurde die Wolkendecke. Trotz der gelegentlichen Regenschauer hatten wir einen tollen Ausblick und entdeckten kleine Wasserfälle, auf der Straße umherlaufende Schafe und gewaltige Berglandschaften. Am Ende der Halbinsel wollten wir uns die beiden Orte Arnarstapi und Hellnar ansehen, die beide über einen 2,5 Kilometer langen Küstenweg miteinander verbunden sind. Obwohl es etwas regnete, stiegen wir aus unserem kleinen roten Ford Fiesta aus. Und kamen mit klitschnassen Jeanshosen wieder zurück. Denn es stürmte, regnete in Strömen und hörte einfach nicht mehr auf. Die Regenhosen lagen im Auto. Ja, da lagen sie gut. Und vor allem warm und trocken.

Den Weg nach Hellnar legten wir dann mit dem Auto zurück, von hier aus wollten wir am Berg Kirkjufell vorbei Richtung Westfjorde. Doch es kam anders. Als wir schließlich unser Hotel als letztes Ziel des Tages ins TomTom eingaben, wurde uns klar, dass wir nicht nur das isländische Wetter, sondern auch das Straßennetz unterschätzt hatten. Wir sollten zurück zu unserem Hotel in Hraunsnef, um dort die asphaltierte Straße Richtung Þingeyri zu nehmen. Eine andere Route gab es laut Navi nicht. Aus dem Abstecher sollte also ein riesiger Umweg werden. Um nicht noch mehr Zeit zu verlieren, packten wir die Island Karte aus und fuhren einfach drauf los. Bei Regen, Wind und letztendlich auch absoluter Dunkelheit durchquerten wir die Berge der Westfjorde. Dank der unbefestigten Straßen und unzähligen Schlaglöchern rumpelte das Auto ununterbrochen, obwohl wir teilweise nur mit 20km/h unterwegs waren.

Nach 11 Stunden – inklusive kurzer Pausen und Sightseeing-Stopps – kamen wir endlich an. Geschüttelt… und nicht gerührt.

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