Dialog im Stillen – ein Ausflug in die Welt der Gehörlosen.

Habt ihr euch schon einmal gefragt, wie es wohl wäre mit Handicap durch die Welt zu gehen? Im Rollstuhl zu sitzen und darauf angewiesen zu sein, dass es überall barrierefreie Wege gibt? Seinen Alltag zu bestreiten, obwohl man blind ist und keinen Sehsinn hat, um sich schnell und einfach auf der Straße zu orientieren? Oder eine Serie auf Netflix zu schauen ohne Geräusche, Stimmen oder Worte wahrnehmen zu können? Nichts außer das bewegte Bild?

Um ehrlich zu sein, frage ich mich letzteres ziemlich oft. Ich tue dies, weil ich einen sehr engen Bezug zur Gehörlosigkeit habe – denn meine Mutter litt mit 3 Monaten an einer Hirnhautentzündung und ist seitdem auf beiden Ohren taub. Meine Mutter schaut Filme, die für sie keinen Ton haben. Sie versucht Unterhaltungen sprechender Menschen zu folgen und muss sich oft eingestehen, dass sie an ihre Grenzen stößt. Weil die anderen zu schnell reden, Fremdwörter benutzen, die meine Mutter nicht versteht oder einfach weil sie einen Bart tragen und somit der Mund, den Gehörlose so dringend zum Lippenlesen benötigen, verdeckt wird. Obwohl sie für eine kurze Zeit in ihrem Leben hören konnte, kennt sie es nicht anders. Und ich kenne sie nicht anders. Auch wenn ich sicher mehr Verständnis für die Bedürfnisse von gehörlosen Menschen habe und weiß, wie ich ihnen den Alltag etwas einfacher machen kann, so weiß ich trotzdem nicht, wie meine Mutter die Welt wahr nimmt.

Weiterlesen “Dialog im Stillen – ein Ausflug in die Welt der Gehörlosen.”

Auf in Richtung Kleiner Norden.

Irgendwie hat es mich auf meiner bisherigen Reise hier in Chile immer wieder in den Süden des Landes gezogen – Puerto Montt, die Insel Chiloé, Coyhaique und die Region Aysén. Aktive Vulkane, riesige Gletscher, türkisblaue Seen und wunderschöne grüne Wälder. Farbenfrohe und kontrastreiche Orte. Für den letzten Teil meiner Solo-Reise, die am kommenden Montag endet – weil ich Besuch aus Deutschland bekomme, juhu! – sollte es also diesmal in den für mich unbekannten Norden Chiles gehen. Genauer gesagt in das Halbwüstengebiet des Kleinen Nordens.

Kleiner Norden, bitte was? Ich gebe zu, das hört sich schon ganz schön seltsam an. Aber wenn man sich mal überlegt, dass Chile mit einer Länge von knapp 4300 Kilometern ganz schön viel Norden und mindestens genauso viel Süden hat, dann macht das durchaus Sinn. Dazu kommt, dass das Land in Sachen Klima und Landschaft unterschiedlicher nicht sein könnte. Das Land ist also unterteilt in: Großer Norden, Kleiner Norden, Zentralchile, Kleiner Süden und Großer Süden.

Weiterlesen “Auf in Richtung Kleiner Norden.”

Kunterbunte Bändchen und tausende Wünsche.

Horcon puente de los deseos4

Horcón – ein süßes kleines Örtchen etwa 50 km nördlich von Valparaíso, welches in den 60ern als die Hippiehochburg schlechthin galt. Verlassene bunte Fischerboote liegen unterhalb der Strandpromenade, es gibt ein paar Restaurants und Supermärkte und eine Open-Air Spielhalle, die einer Geisterstadt ähnelt. Ich sehe wenige Menschen auf der Straße, kaum Touristen, nur Einheimische. Denn wirklich viel scheint es hier nicht zu geben. Außer eine Brücke – mit tausenden kunterbunten Bändern und mindestens genauso vielen Wünschen.

Weiterlesen “Kunterbunte Bändchen und tausende Wünsche.”

Der Weg zur Lagune des Cerro Castillo.

Ich bin unglaublich müde und mir tut einfach alles weh, was weh tun kann. Ich möchte keinen Schritt mehr laufen und werde morgen den Muskelkater meines Lebens haben. Aber ich hab sie geschafft, die Tageswanderung zur Lagune des Bergs Cerro Castillo. Sieben steile Kilometer rauf und sieben wieder runter. Schwierigkeitsgrad mittel bis schwer. 1061 Höhenmeter. In sechseinhalb Stunden. Geiler Scheiß, ich kann es selbst kaum glauben.

Laguna Cerro Castillo Daytrek1

Irgendwie sind diese zehn Tage in Patagonien sportlicher als gedacht. Und ich nehme Herausforderungen an, die mich selbst staunen lassen. Aber so ist so eine Soloreise ans andere Ende der Welt irgendwie. Man wächst mit jedem Tag, jedenfalls innerlich.

Weiterlesen “Der Weg zur Lagune des Cerro Castillo.”

Capillas de Mármol. Ein Traum wird wahr.

Vielleicht fragt sich der ein oder andere von euch, warum es mich ausgerechnet in diese Ecke Patagoniens verschlagen hat. Wohlwissend, dass es nicht einfach ist, hier von A nach B zu kommen. Mal abgesehen davon, dass ich immer wieder merke, dass es mich eher in die unberührte Natur als in überlaufene Großstädte zieht, gibt es hier in Puerto Río Tranquilo etwas, was ziemlich weit oben auf meiner Was-ich-mir-unbedingt-anschauen-muss-Liste stand: die Capillas de Mármol.

Aysen Capillas de Marmol Kayak3

Aysen Capillas de Marmol Kayak9

Weiterlesen “Capillas de Mármol. Ein Traum wird wahr.”

Chiloé, du Schönheit.

Nachdem ich die ersten Tage nach meiner Ankunft etwas kopflos war, habe ich nun auch noch mein Herz verloren. Auf einer Insel im wunderschönen Norden Patagoniens.

Chiloé Ancud Straßen1

Während meiner Reisevorbereitung bin ich immer wieder über die zweitgrößte Insel Chiles gestolpert. Blogs, Reiseführer und Instagram sorgten dafür, dass mich Chiloé mit der unberührten Natur und den süßen Holzhäuschen immer wieder aufs neue verzaubert hat. Eigentlich war schnell klar, dass dies mein erster Stopp hier in Chile sein soll. Nur mit der Planung hat es lange gedauert. So ist das einfach, wenn man sich entscheiden muss. Chile hat unheimlich viel zu bieten und auch wenn ich drei Monate hier im Land bin, werde ich nicht alles sehen können, was auf meiner To-Do Liste steht. Umso schwieriger ist es dann, sich festzulegen. Sich für ein Ziel zu entscheiden und dafür drei andere zu streichen. Man hat immer das Gefühl, man könnte etwas verpassen, es könnte etwas noch besseres kommen. Blicke ich aber zurück auf die letzten drei Tage, dann bin ich davon überzeugt, alles richtig gemacht zu haben.

Weiterlesen “Chiloé, du Schönheit.”

Abaya und nackte Füße.

Sheikh Zayed Moschee Abu Dhabi5
Sheikh Zayed Moschee in Abu Dhabi.

Auf einem Hügel mitten in Abu Dhabi, der Hauptstadt der Vereinigten Arabischen Emirate, steht die wohl schönste Moschee, die ich je gesehen habe. Sie steht erhöht, damit sie von allen Seiten betrachtet werden kann. Diese Ehre hat sie völlig verdient. Ein riesiger Palast aus weißem Marmor und Blattgold, mit 82 Kuppeln die von über 1.000 Säulen getragen werden und floralen Ornamenten an Wänden und Böden. Ein Gebetshaus, welches Platz für bis zu 40.000 Gläubige bietet und umgeben von hübsch angelegten Gärten, Wasserbecken und Springbrunnen ist.

Die Sheikh Zayed Moschee ist eine der wenigen Moscheen der VAE, die für Nicht-Muslime zugänglich ist. Außerhalb der Gebetszeiten kann man sich hier als Besucher umschauen und sogar Fotos machen. Es ist kein Wunder, dass dieses hübsche Bauwerk zu den meistbesuchten Attraktionen der Stadt zählt.

Weiterlesen “Abaya und nackte Füße.”

Betrieben von WordPress | Theme: Baskerville 2 von Anders Noren.

Nach oben ↑