Verkettung unglücklicher Ereignisse.

Liebes Schicksal, das hier ist für dich: seitdem ich vor zehn Wochen zuhause losgeflogen bin, hast du meine Geduld immer wieder auf die Probe gestellt, das Organisationstalent in mir herausgefordert und meine Vorfreude über eine buckelige Achterbahn geschickt. Danke, es reicht!

Reisen ist nicht immer Friede, Freude, Eierkuchen. Das weiß ich. Und wer etwas anderes behauptet, der lügt. An jeder Ecke lauern Herausforderungen, je weiter man von zuhause entfernt ist, umso größer werden sie. Sprachbarrieren, ungewohntes Essen für den Magen, der typische Kulturschock. Bis auf letzteres habe ich das meiste davon in den letzten Wochen abgearbeitet. Und weil das scheinbar noch nicht genug ist, leiten wir nun wohl Phase 2 ein.

Zu den beschriebenen Problemen, mit denen man am Ende der Welt wohl irgendwie rechnen muss, gesellen sich nun zwei weitere: die Luftfahrt scheint wohl kein Fan von #TeamStefanUndSarina zu sein und mein Körper hat wohl auch keine Lust mehr mitzuspielen.

Alles begann Anfang der Woche. Wie die meisten wohl wissen, habe ich am Montag Besuch aus Deutschland bekommen. Mein Freund hat sich auf die lange Reise begeben, um mit mir zwei der Highlights für Chile-Reisende zu erleben: den Nationalpark Torres del Paine im südlichsten Zipfel des Landes und San Pedro de Atacama im Norden. Mit einer Verspätung von ganzen fünf Stunden kam er am Flughafen in Santiago an.

Als ich am Abend vor der Ankunft ins Bett ging und das letzte Mal den Flugstatus überprüfte, war er gerade in der Luft, irgendwo zwischen Amsterdam und dem südamerikanischen Kontinent. Alles lief nach Plan, nach einem kurzen Zwischenstopp in Buenos Aires sollte er am nächsten Morgen um 10 Uhr in der Hauptstadt Chiles ankommen. Ich freute mich so sehr, dass an Schlafen eigentlich kaum zu denken war.

Wenige Stunden später nahm das Schicksal seinen Lauf. Wegen schlechten Sichtverhältnissen konnte der Flieger nicht wie geplant in Argentinien landen, sondern musste den nächsten Flughafen, Montevideo in Uruguay, ansteuern. Während er dort stundenlang ohne konkrete Informationen stand, war ich bereits am Flughafen, etwas enttäuscht aber dennoch positiv gestimmt. An sich ist so eine Verspätung kein großes Drama und wenn man neun Wochen auf das Wiedersehen wartet, dann scheinen fünf Stunden wohl auch keinen großen Unterschied zu machen. Außer man hat einen Anschlussflug, bei dem die Umsteigezeit mit jeder verstrichenen Minute knapper wird.

Flughafen Ankünfte
KLM701 – der Flug, den ich ganze fünf Stunden beobachtet habe.

Als irgendwann klar war, dass wir den Flug nach Punta Arenas nicht bekommen werden, konnte ich  einen sehr netten und hilfsbereiten Mann am LATAM Airlines Schalter davon überzeugen, unseren Flug umzubuchen. Kostenlos, was in unserem Flugtarif eigentlich nicht möglich war. Und da wir die Flüge unabhängig voneinander und bei einer anderen Fluggesellschaft gebucht hatten, war das auch keineswegs selbstverständlich. Wir hatten also einen kleinen Zeitpuffer, der sich zum Schluss als doch sehr knapp erwiesen hatte. Aber wir hatten es geschafft, nachdem wir beim Check-In an allen wartenden Passagieren vorbei geschleust wurden und bei der Sicherheitskontrolle in die Schlange der kurzen Anschlussflüge eingeteilt wurden. Wir saßen also erleichtert im Flieger nach Punta Arenas. Durch einen Zufall war der Mietwagen-Schalter, der eigentlich um 20 Uhr schließen sollte, auch bei unserer späten Ankunft nach 22 Uhr noch besetzt. Unser eigentliches Fahrzeug war schon anderweitig vergeben und dennoch konnten wir den Flughafen mit einem Mietwagen – zwar ungereinigt aber von besserer Kategorie – verlassen. Im Hostel hatte so spät auch keiner mehr mit uns gerechnet, trotzdem hörte die Besitzerin, die glücklicherweise vor Ort wohnt, unser Klopfen und öffnete uns die Tür. Nach dem etwas unglücklichen Start hatte sich doch alles irgendwie gefügt.

Trotz meines Fußes, der sich mittlerweile vehement gegen jeden Schritt wehrt und einer hartnäckigen Bronchitis, hatten wir drei wunderschöne Tage in Chiles bekanntestem Nationalpark Torres del Paine.

Zurück in der Zivilisation traf uns das Schicksal dann erneut, leider noch härter und unerwarteter als zuvor. Denn eine Flut von E-Mails informierte uns darüber, dass die südamerikanische Airline LATAM, mit der wir unsere Inlandsflüge gebucht hatten, streikt. Und genau drei unserer ausstehenden drei Flüge davon betroffen waren.

Nur kurz zur Orientierung: wir befinden uns gerade am südlichen Ende Patagoniens, nur etwa 4000 Kilometer vom Südpol entfernt. Busverbindungen nach Santiago gibt es, man benötigt allerdings über 40 Stunden und muss die Grenze zu Argentinien überqueren, weil es auf chilenischem Boden keine durchgängige Straße gibt, die Richtung Norden führt. Aus der Hauptstadt fliegen genau drei Airlines den Flughafen von Punta Arenas an, aber leider nicht jeden Tag. Eine gute Infrastruktur sieht anders aus.

Wir hatten die Möglichkeit, unsere Flüge innerhalb von 24 Stunden über das Internet umzubuchen. Nur leider hatten wir kein Internet und wussten somit auch nichts von unserem Glück. Wir wurden automatisch neuen Flügen zugeteilt, die ganze drei Tage später als geplant abfliegen sollten. Für den Flug vom Süden in den Norden sollte dies bedeuten, dass wir unsere bereits vor Monaten gebuchte Jeep-Tour nach Bolivien verpassen würden. Und auch unser Flug, der uns aus dem Norden zurück nach Santiago bringen sollte, war so spät, dass dieser weit nach dem Rückflug nach Deutschland lag.

Auch nach stundenlangen Telefonaten mit der LATAM Kundenhotline, komplizierten Gesprächen auf Englisch und vielen verzweifelten Tränen meinerseits waren wir nicht schlauer als vorher. Man konnte oder wollte uns nicht helfen. Oder beides.

Ehrlich gesagt, ist es ein schreckliches Gefühl, am Ende der Welt fest zu sitzen und einfach keine Lösung zu finden. Ich hatte mich so sehr auf den Norden und unsere Tour nach Bolivien gefreut und wollte nicht länger hier bleiben, auch wenn Patagonien wunderschön ist. Und zu wissen, dass man nicht weg kommt, macht die Sache irgendwie auch nicht besser. Sondern es verstärkt den Drang, sofort seine sieben Sachen zu packen und einfach das Weite zu suchen.

Mittlerweile haben wir bei LATAM aufgegeben, denn nicht mal unsere nette Gastgeberin aus unserem ersten Hostel hier in Punta Arenas, die sich auf Spanisch deutlich besser mit den Hotline-Mitarbeitern rumschlagen kann, konnte etwas bewirken. Am Dienstag geht unser Flieger in Richtung Santiago, einen Tag später kommen wir dann mit etwas Verspätung aber gerade noch rechtzeitig für die Tour im Norden Chiles an. Mit anderen Airlines und hoffentlich einer großen Portion Vorfreude. Denn für den Moment wollen wir eigentlich nur eins: einfach nach Hause!

Wer auf der Suche nach einem Hostel in Punta Arenas mit herzlicher Gastgeberin in gemütlichem Ambiente ist, ist hier absolut richtig.

Name: Hostal Grey
Adresse: Maipu 1186, Punta Arenas, Chile

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