Willkommen in meiner Gefühlswelt.

Es gibt Phasen im Leben, da überschlagen sich die Ereignisse. Momente, in denen man nicht weiß, wo oben und unten ist. Ob man vor Freude weinen oder lachen soll. Während ich mitten in den Vorbereitungen für das große Abenteuer Chile stecke und noch so unendlich viel zu erledigen habe, beginnt für mich völlig unerwartet eine ganz andere Reise. Eine Reise, die mich an keinen Ort der Welt bringen wird, sondern in einen neuen Lebensabschnitt. Ich werde heiraten.

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Der Antrag kam völlig überraschend und hat mich gefühlsmäßig total aus der Bahn geworfen. Als hätte jemand den Stecker für klares Denken gezogen. Im positiven Sinne natürlich. Ich dachte eigentlich nie, dass ich auf meinem Blog über so persönliche Themen schreiben würde. Ging es mir ja eigentlich darum, von meinen Reisen zu berichten und Erinnerungen festzuhalten, an die ich zuhause – wenn ich mal tief in meinem Alltagstrott stecke – zurückdenken kann. Und die mich und euch Träumen lassen. Eine liebe Freundin hat mir vorgeschlagen, über diesen großen Schritt zu schreiben. Auf meinem Blog. Und obwohl ich die Idee zuerst verworfen hatte, hat sie mich doch lange beschäftigt. Warum eigentlich nicht? Mit dem Heiratsantrag, den ich vor zwei Wochen bekommen habe, startet eine aufregende große Reise, die es wert ist, jedes noch so kleine Detail zu verewigen. Und Heiraten hat ja auch irgendwie etwas mit Träumen zu tun.

Also: Herzlich Willkommen in meiner Gefühlswelt.

Mein Sonntag als angehende Verlobte startete ganz unspektakulär und verschlafen. Wir hatten uns für diesen Tag vorgenommen, den diesjährigen Weihnachtsbaum zu besorgen. Ich war eigentlich nie ein Weihnachtsfan und konnte den Trubel um die Feiertage nicht verstehen. Böse Zungen behaupteten sogar ich wäre der weibliche Grinch. Aber mit Stefan war das alles irgendwie erträglicher. Wie er das geschafft hat – keine Ahnung. So hat sich die Tradition eingeschlichen, dass wir unsere Weihnachtsbäume nicht von der Stange kaufen. Sondern selbst fällen. Dieses Jahr war es das dritte Jahr in Folge. Bewaffnet mit einer Handsäge gingen wir in Schriesheim auf die Suche nach dem perfekten Baum. Zu groß, zu pieksig, zu wenige Zweige? Im Nachhinein habe ich das Gefühl, dass es diesmal vergleichsweise schnell ging. Während um uns herum Familien mit Kindern immer wieder Argumente fanden, warum genau dieser Baum nicht der Richtige ist, waren wir uns gleich einig. Das hätte ein Indiz sein können. Oder es war einfach Zufall.

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Gefühlt habe ich eine Ewigkeit gebraucht, um diesen Baum zu schlagen. Ich habe geschimpft und geflucht, und war kurz davor, die Säge einfach abzugeben. Nicht, dass ich Stefan irgendwas beweisen müsste, aber mich hatte dann doch der Ehrgeiz gepackt. Nach einer gefühlten Ewigkeit war ich fertig, der Baum war gefällt. Ich außer Puste. Nach einem kurzen „Kannst du mal bitte den Baum halten“ stand ich da. In der einen Hand den Baum, in der anderen die Säge. Und an dieser Stelle beginnt ein Film, der sich immer und immer wieder vor meinem Auge abspielt. Als hätte er sich eingebrannt. Stefan, der seine Jacke öffnet und etwas aus seiner Innentasche hervorholt. Der mich daran erinnert, dass wir seit 3 Jahren hier her kommen, um den perfekten Weihnachtsbaum auszusuchen. An die schöne kleine Tradition, die schon irgendwie zu unserer Beziehung gehört. Ich, die sich wundert, was hier gerade vor sich geht. Und Stefans Frage, die letztendlich dafür gesorgt hat, dass alle Dämme brechen und ich laut schluchzend „JA“ gesagt habe.

Falls uns jemand in diesem Moment beobachtet hat, hatte er sicher seinen Spaß. Ich jedenfalls hätte ihn auch als Außenstehender gehabt. Neben den vielen Freudentränen, gab es einige lustige Sprüche. Von „DU musst die Schachtel öffnen und mir den Ring anstecken.“ und der Antwort: „Ich hab keine Ahnung. Ich mach das zum ersten Mal.“ bis hin zum besorgten „Geh bloß nicht auf die Knie, hier ist alles matschig.“ Ja, so sind wir und so lieben wir uns. Spontan, witzig und echt. Wir können über uns selbst lachen und trotzdem ganz ernst sein. Als Frau macht man sich Gedanken, wie der perfekte Antrag aussehen könnte. Wie so ein Moment sich anfühlen muss, wie man wohl reagiert. Man hat Erwartungen und die Angst, dass sie nicht erfüllt werden. Dass man enttäuscht sein könnte. Und sicher denkt die ein oder andere beim Lesen dieser Zeilen: Ohje! Am Ende spielt all das aber keine Rolle mehr. Ob alles glatt geht oder nicht, wen interessiert das schon. Das Wichtigste ist, das der Mensch, der dir gegenüber steht, dich mitten ins Herz trifft. Und das hat er.

Auch nach zwei Wochen ist es immer noch ein ungewohntes Gefühl verlobt zu sein. Einen hübschen funkelnden Ring am Finger zu haben. Und sich ernsthafte Gedanken über die eigene Hochzeit zu machen. Ideen gibt es schon viele, auch schon konkretere Pläne. Aber davon erzähle ich ein anderes Mal.

Denn bis zur Hochzeit bleiben noch genau 207 Tage.

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