Zahnbürste. Lieblingsshirt. Zweifel.

„Du bist mutig. Ich weiß nicht, ob ich das könnte.“ Das sind die Worte, die ich in den letzten Tagen und Wochen am häufigsten gehört habe – kurz vor der großen Reise, die in genau vier Tagen beginnt. In VIER Tagen.

Ja, ich bin ein absoluter Countdown-Mensch. Mein Smartphone ist schwer damit beschäftigt, mir die Tage für sämtliche Events runter zu zählen. Bevorstehende Urlaube, Festivals, Hochzeit. Sobald es irgendetwas gibt, worauf ich mich besonders freue, reiht es sich ein in die Liste der „Noch X Tage“. Und da gibt es so einiges. Den Countdown für Chile habe ich im August letzten Jahres gestartet. Als die Zahl noch dreistellig war, die Vorfreude riesig und die verbleibende Zeit für Vorbereitungen unendlich schien. Und heute steht da eine vier. Einsam und verlassen. Es ist verrückt wie schnell die Zeit verfliegt und mit wie viel Geschwindigkeit dieser Traum, der mich schon so lange begleitet, nun auf mich zu kommt. Jetzt, wo ich meine sieben Sachen packe und mich tagtäglich von lieben Menschen verabschiede, wird dieser Traum langsam zur Realität. Mein Rucksack füllt sich – Zahnbürste. Lieblingsshirt. Zweifel. Auch wenn dafür eigentlich kein Platz ist, sind sie dennoch da.

Ehrlich gesagt, weiß ich auch nicht, ob ich das kann. Mit jedem Tag, der verstreicht, wächst der Respekt. Der Respekt vor der Ferne, dem Unbekannten, dem Alleine-sein. Dem langen Flug, der fremden Sprache, dem Job im Kinderheim. Alldem was mich erwartet. Allen, die gedanklich den Hut vor mir ziehen, kann ich sagen: Leicht fällt mir das nicht. Auch wenn ich mich riesig auf dieses Abenteuer freue, frage ich mich manchmal, ob diese Reise nicht vielleicht eine Nummer zu groß für mich ist. Ob ich, die wirklich nah am Wasser gebaut ist, stark genug für diese Herausforderung bin. Ob ich das was ich dort bei meinem Freiwilligendienst erleben werde, auch verkrafte.

Aber hey, das gehört wohl dazu. Alles andere wäre ja auch irgendwie langweilig. Ich werde das Ding rocken und mit einem riesigen Rucksack voller Erinnerungen, wunderbaren Begegnungen und tollen Geschichten zurück kommen. Und mich hinterher fragen, warum ich so oft gezweifelt habe. Ja, so wird es sein.

2 Kommentare zu „Zahnbürste. Lieblingsshirt. Zweifel.

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  1. Oh ja. Dieses Gefühl was Du beschreibst, genau dieses, würde mich auch plagen. Rational gesehen kann ja nicht viel schief gehen. Irrationale Gefühle beherrschen aber das Szenario. Damit muss man leben.
    Aber ich möchte es dennoch einmal erwähnen, wie stolz Du jetzt schon auf Dich sein kannst und wie stolz und glücklich Du erst sein wirst, wenn Du dieses Abenteuer gemeistert hast.
    Ich drücke Dir alle Daumen und bin gespannt auf alles was Du zu berichten hast.
    Genieße die Zeit. Danach kommt die Ehe… ?

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