Zu Fuß auf der Carretera Austral.

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Ich bin gerade zu Fuß unterwegs. Mit Sack und Pack auf der berühmten Carretera Austral, der 1350 km langen Fernstraße, die den Süden Chiles durchquert. Nachdem ich heute morgen die Fähre über den Lago General Carrera genommen habe, um mich langsam aber sicher wieder Richtung Coyhaique, dem Startpunkt meiner 10-tägigen Reise, zu machen.  Auf diesem Weg gibt es aber noch einen spontanen Stopp: den Berg Cerro Castillo.

Am anderen Ende des Sees warten bereits Shuttlebusse, die die Passagiere in Richtung Coyhaique bringen. Ich erkundige mich nach meinem Ziel, der Busfahrer bietet mir an, mich ein Stück mitzunehmen. Bis zu dem Punkt, an dem er in eine andere Richtung abbiegt. Von da an, muss ich laufen, sagt er. Der Tag ist gerade erst gestartet, das Wetter gut und die Landschaft traumhaft schön. Da ich mir sicher bin, keine andere Wahl zu haben, steig ich ein.

Nach ca. 40 Kilometern hält der Bus an. Es wird Zeit auszusteigen. Während ich in meinem Geldbeutel nach Kleingeld krame, zeigt der Fahrer mir die Richtung. Es sind 9 km bis zum Ortsrand von Villa Cerro Castillo. Ich bin äußerst motiviert und freue mich irgendwie auf diese Herausforderung. Direkt an der nächsten Ecke stehen drei Mädels, die den Daumen raustrecken. Ich überlege kurz, ob ich mich dazu geselle. Erst vorgestern bin ich das erste Mal in meinem Leben getrampt. Gemeinsam mit zwei Franzosen wurde ich drei Stunden von einem chilenischen Pärchen mitgenommen. Inklusive netter Gespräche, Verpflegung und Fotostopps an wunderschönen Aussichtspunkten. Aber alleine? Ich weiß nicht.

Nein, ich schaff das. Die Landschaft ist einfach zu schön, um sie mit dem Auto links und rechts liegen zu lassen. Also laufe ich los. Ohne auch nur im geringsten einschätzen zu können, wie lange ich wohl für diese Strecke mit meinem Gepäck brauchen werde. Es kommen immer mal wieder Autos und Busse vorbei, notfalls lasse ich mich einfach mitnehmen.

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Zweieinhalb Stunden laufe ich die Carretera Austral entlang, bereue keinen Schritt, weil dieses Gefühl zwischen den gewaltigen und teilweise schneebedeckten Bergen und den grünen Wäldern einfach gigantisch ist. Man fühlt sich so klein in dieser unendlichen Weite. Ich treffe auf herrenlose Hühner und Schweine, einen Reiter und einen Fahrradfahrer und viele kunterbunte Schmetterlinge. Und während ich einen Fuß vor den anderen setze, mir die Sonne ins Gesicht scheinen lasse und lauthals singe, macht sich ein Gefühl in mir breit: ich bin stolz. Stolz, dass ich nach den vielen Zweifeln vor der Reise doch losgezogen bin. Alleine, nur mit meinen beiden Rucksäcken.

Unterwegs frage ich mich immer wieder, wie weit es wohl noch ist und überlege kurz, mein Handy zu befragen. Aber ich hab alle Zeit der Welt und beschließe, mich überraschen zu lassen. Einfach weiter zu laufen und zu genießen.

Und schon ein paar Schritte weiter sehe ich es vor mir, das Ortsschild von Villa Cerro Castillo. Geschafft!

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Ein Kommentar zu „Zu Fuß auf der Carretera Austral.

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  1. Ich finde es so toll, dass du das machst und dass das Tief überwunden ist. Du kannst wahnsinnig stolz auf dich sein, so eine Reise ins Ungewisse auf dich genommen zu haben. Und jetzt wirst du mit so viel Natur und unglaublich tollen Eindrücken belohnt. Gute Entscheidung zu laufen ?

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